Straßen-Spender - Ein Stück Straße als Geschenk Drucken E-Mail

FertigerEin Geschenk ist etwas Schönes. Marl bekam schon Kunstwerke und Geld geschenkt, Wohnungen und Straßen. Doch jetzt gab es ein ganz „praktisches“ Geschenk: Die Sanierung einer Straßenseite, 105 Meter lang und 3,50 Meter breit.

Der Bürgermeister nahm das Geschenk gestern entgegen. Direkt vor Ort, Victoriastraße/Ecke Hülsbergstraße. Drei Firmen aus dem Bereich Tiefbau, wirtschaftlich miteinander verflochten, waren die Schenker. Auslöser der Schenk-Idee war ein Gespräch auf dem Geburtstag des Bürgermeisters. CDU-Ratsherr Uwe Göddenhenrich sprach die Unternehmer auf die Probleme der Stadt an: Kaputte Straßen, kein Geld für Reparaturen. Genervte Politiker, die sich immer wieder die drängenden Wünsche der Marler (und ihrer Wähler) anhören mussten und wussten: Nichts zu machen.

Oder doch? Die Unternehmer könnten doch mal was für ihre Stadt machen, so die Idee des Politikers. „Ich sehe mich wie ein Flipper. Die Kugel kommt überall hin, stößt an und stellt die Verbindungen her.“ Dass gleich drei Unternehmen eine Fahrspur in diesem Straßenabschnitt für die Stadt Marl kostenlos erneuern, „ist eine tolle Sache, die ich mir nicht hätte erträumen lassen“. In diesem Fall war der Anstoß spontan erfolgreich. „Wir profitieren von der Marler Infrastruktur“, erklärt Roland Wübbe. „Und wir wollen dem Bürger nun etwas zurückgeben.“ Er hofft, dass dieses Beispiel bürgerschaftliches Engagements für andere Firmen ein Anstoß ist, etwas Ähnliches zu machen. Immerhin hat das Firmengeschenk einen Wert von 15 000 Euro.

Darf man das überhaupt annehmen?, habe er sich auch gefragt, so Bürgermeister Werner Arndt. Eine Prüfung durch die Kämmerei und das Rechnungsprüfungsamt ergab: Ja. Und den Verdacht, damit sei irgendeine Verpflichtung der Stadt gegenüber dem Spender verbunden, weist Roland Wübbe, Geschäftsführer der H & W Tiefbau GmbH & Co. KG, weit von sich: „Wer das Vergaberecht kennt, der weiß, dass da gar nichts geht.“ Ein vergleichbares Geschenk haben andere Kreisstädte noch nicht erhalten. Aber völlig abwegig sei das Engagement doch nicht, so die Unternehmer. Die wollen ihren Einsatz als Initiativzündung sehen für andere Firmen, auch etwas für ihre Stadt zu tun.

Ganz neu ist ihre Idee in Marl nicht, bislang war sie aber noch nie erfolgreich umgesetzt worden. Zuletzt hatte die Stadt eine Liste von Grünflächen zusammengestellt, um Marler Gärtnereien oder Gartenbaufirmen für eine Pflege zu gewinnen. Frühere Versuche in dieser Sache waren erfolglos geblieben.

Vom ersten Geschenk war der Bürgermeister gestern beeindruck: „Die Aktion ist ein gelungenes Beispiel für das Zusammenwirken von bürgerschaftlichem und unternehmerischen Engagement.“

Die Sanierung der Fahrspur auf der Victoriastraße in Richtung Marl-Sinsen zwischen der Kniestraße und der Kreuzung Victoriastraße/Hülsbergstraße wird voraussichtlich noch in dieser Woche abgeschlossen. Im Anschluss daran beginnt die Stadt Marl mit der Erneuerung der stadteinwärts führenden Fahrspur in diesem Bereich. Während der Bauarbeiten wird der Verkehr über die jeweils gegenüberliegende Fahrspur geführt und mit einer Ampelanlage geregelt.

Quelle: www.derwesten.de

 
< zurück   weiter >